Werte

Im Vertrag über die Europäische Union (in der Fassung des Lissabonner Vertrags) werden die Werte in Artikel 2 erwähnt: “Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit von Frauen und Männern auszeichnet.”

Wie definiert man eine Gesellschaft in Österreich mit Ihren Normen und Werten?

Wie kann sich die moderne und global ausgerichtete Gesellschaft in Österreich mit ihren Normen und Werten definieren und dabei allen ihren Bewohnern gerecht werden? Welche Werte und Normen machen eine multikulturelle Gesellschaft für alle akzeptabel, damit sie als stabiles soziales Gefüge bestehen und sich den modernen Bedingungen entsprechend entwickeln kann?

Diese Fragen sollten offen und auf breiter gesellschaftlicher Basis diskutiert werden. Die Ergebnisse einer solchen offenen Wertediskussion könnten die Grundlage für ein toleranteres Miteinander sein. Dies würde auch die Haltung von Muslimen, die leider allzu oft glauben, sich gegen eine (christliche) Vereinnahmung erwehren zu müssen, gegenüber der Moderne und der sie umgebenden Umwelt befrieden.

Der Prozess der Integration von Menschen mit einem Migrationshintergrund besteht aus

  • Annäherung,
  • gegenseitiger Auseinandersetzung,
  • Kommunikation,
  • Finden von Gemeinsamkeiten,
  • Feststellen von Unterschieden und der
  • Übernahme gemeinschaftlicher Verantwortung zwischen Zugewanderten und der anwesenden Mehrheitsbevölkerung.

Definiert sich diese Umgebung als multiethnisch und/oder multikulturell kann eine Form der Integration möglich sein, die es Einwanderern gestattet, die Kulturidentität ihrer Herkunftsgesellschaften (in gewissen Grenzen und nach gewissen Regeln) aufrechtzuerhalten[1].

Die Einhaltung der durch die anwesende Mehrheitsbevölkerung demokratisch erarbeiteten Rechtsordnung, die als besondere Werte unter anderem

  • Gewaltfreiheit,
  • Meinungsfreiheit,
  • Schutz der Persönlichkeitsrechte,
  • Schutz von Minderheiten,
  • Gleichberechtigung der Geschlechter,
  • freie Wahl der Religion und Austritt aus Religionsgemeinschaften,
  • freie Wahl der Partners und des Arbeitsplatzes

beinhaltet, ist für eine erfolgreiche Integration allerdings unabdingbar.

In einer offenen Gesellschaft ist ein intellektueller Meinungsaustausch notwendig, der kulturelle Veränderungen ermöglicht. Daher sind Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit sowie eine strikte religiöse Neutralität von grundlegender Bedeutung um einen Konsens in Bezug auf Grundwerte herzustellen bzw. zu erhalten.

Die Problemfelder und Bedrohungen der offenen Gesellschaft wurden von Sir Karl Popper (1902–1994) in 3 Paradoxa definiert:

  • ES GIBT EIN PARADOXON DER FREIHEIT:
    Sie ist nur in Grenzen möglich. Grenzenlose Freiheit hebt sich auf.
  • ES GIBT EIN PARADOXON DER TOLERANZ:
    Grenzenlose Toleranz, die auch die Intoleranten einschließt, beinhaltet die Gefahr, dass die In-toleranten die Toleranz abschaffen.
  • ES GIBT EIN PARADOXON DER DEMOKRATIE:
    Wenn die Mehrheit des Volkes eine undemokratische Partei wählt, ist die Demokratie vorbei.

 

[1] Im Gegensatz zur Assimilation verlangt Integration nicht die Aufgabe der eigenen kulturellen Identität.